How deep is your love?

House of jealous lovers

all the love that you’ve given me

it helps me see what’s right

all my life now you’ve given me

a chance to see your light

Ein Besuch bei The Rapture im Karlstorbahnhof.

Generation Trainingsjacke feiert Klassentreffen. Die ersten Kugelbäuchlein, tief in die Stirn gerückte Schiebermützen, Indie-Mädchen-Kleider, entspannte Atmosphäre, man nickt sich zu, während gewartet wird, man kennt sich, hat einander zwar noch nie gesehen, aber wer unter diese gut 150 Menschen gefunden hat, gehört dazu, dem braucht man nicht ins Herz schauen, man weiß, wie es schlägt.

Als Indie noch Indie war, heimelig und privat, als die Killers ihn noch nicht ins „Keinohrhasen-Land“ verschleppt hatten, wo er fortan zur Volksmusik all jener geriet, denen Xavier Naidoo zu platt, Bloc Party noch zu laut und die Shoutoutlouds gerade richtig temperiert erschienen, als der Indie noch nicht im 30-Sekunden-Abspann der Sportschau verwurstet wurden, brachen The Rapture durchs Alternative-Dach, sausten gleich durch einige Decken, bis sie auf dem Sofa einschlugen, wo ein verdutzter Jan Wigger gerade seine Kate Bush-Platten polierte.

all the feeling i have for you

let it come on through

when i cry you heal my pain

help me come to you

DFA, LCD Soundsystem und the Rapture bildeten zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts einen stimmigen Dreiklang, der die Zukunft beschrieb, wie jene sich anhören konnte – in der besten aller Welten. Ein wenig nach gestern. Stechende Riffs, harte Loops, schmatzende Gitarrensaiten und viel Schlagzeug. Das Synthetische der 80er ohne dieses unselige Jahrzehnt gleich mitzunehmen und die elektronischen Beats, die Ende der 90er irgendwann ins Leere gelaufen und nur mehr die ewige Wiederkehr einer lange schon tot gerittenen Techno-Attitüde waren.

James Murphys DFA-Label sammelte in den Staaten auf, was sich unter dem Label Post-Punk und Acid House aufsummieren ließ und schuf – dank kongenialer Produktionen – eine neue Szene gleich mit.

all down the dead end street

its in my feet

your kind sun is shining

right on my face

21.30 Uhr. Das Erste was auffällt: entweder grandios abgemischt oder er hat tatsächlich eine fantastische Stimme. In the grace of your love, auch Titel des neuen Albums, zeigt einen Luke Jenner, der den Ton trifft, was bei einem Gesangsstil, der stets vor dem Überschnappen steht, nicht ohne ist. Man hätte es ihm verziehen, aber es passiert nicht – kein einziges Mal rutscht er ab, keine quäkende Ente, keine schrill empörte Gans. Er ist gut. Dazu die hart angeschlagenen Akkorde, ein Schlagzeug, welches die Lust an der Synkope nicht verloren hat und Kuhglocken. Ein ganzer Kuhglockenbaum, später ein Gabriel Andruzzi, der über die Bühne hüpft, die mobile Kuhglocke bearbeitet, bevor er wieder zu Keyboard und Saxophon zurückkehrt. Das tut gut. Erinnert an die Hochzeit des so genannten New Rave. Darüber hinaus ist es zeitlos und einfach gut.

this is the place to find

when it stops

choices are few

Die Türen haben einmal getextet. „Der Blues ist zurück in der Stadt“, hier möchte man juchzen: Ja, der Funk ist zurück in der Stadt. Und Coldplay so weit weg. Das nächste Lied kommt, man stößt ein kurzes Gebet aus und sagt: Danke, lieber Gott, dass diese vier Leute es nie schaffen werden, Stadien zu füllen wie die Chris Martin-Band. Danke, lieber Gott, dass du ihnen ein Auskommen gibst. Danke, lieber Gott, dass sie sich treu bleiben konnten, sich entwickelten, sich nicht verbogen haben. So kommt man um den Rolling Stones-Effekt herum – alte Leute, die sich treffen, um alten Leuten zuzuhören, die gute alte Musik spielen, denen dabei aber die Pfundzeichen durch über Pupillen rattern wie die Kirschen und Dollarscheine über die Walzen eines eines Einarmigen Banditen schwirren. Sie müssen auch keine Fantasieuniformen tragen. Keine Schulterklappen, keine Betressung. Weiße T-Shirts, Jeans, das war’s.

it’s just me and you

give me what i need

to live help me come to you

Das neue Album? Gut, dass sie es aufgenommen haben. Ist es denn gut? Nun, es ist nicht schlecht, ein paar Füller, einige großartige Stücke. Nicht jeder kann wie James Murphy einfach sagen: Gut isses, von nun aber an ohne mich.

21.46Uhr: 150 Menschen tanzen, haben ihren Spaß und ob sie nun die alten Sachen kennen oder nicht, so wie The Rapture spielen, ist das egal, die Musik geht in die Sohlen und wenige bleiben ungerührt stehen bei Brezel und Dachsenfranz. Da merken es auch die Skeptischen, die Intro-Leser und Spex-Weisen, nein, das ist doch kein Klassentreffen, noch nicht, dem sind wir noch einmal von der Schippe gesprungen, noch hocken wir nicht in Sitzschalen und schwenken Feuerzeuge, denn die Musik funktioniert, sie wirkt frisch, unverbraucht und so hart wie 2001. Wir haben den New Rave überlebt und lange gewartet, was nun Neues käme und haben darüber Chips gefuttert und zu viel Bier getrunken und dann das! Das alte Zeug atmet noch, ist quicklebendig und wir irgendwie auch. Das ist noch keine Oldies-Veranstaltung und auch keine wehmütige Referenz an die gute alte Zeit.

let me hear that song

let me hear that song

let me hear that song

let me hear that song

23.00 Uhr: zunicken tun die Leute sich nicht mehr, jetzt hat man es eilig. Morgen früh ist die Nacht rum und um sechs geht wieder der Wecker. Früher hätten wir noch drei Bier getrunken, ausgeschlafen und die Uni Uni sein lassen. Die Zeit war entspannter und wir insgesamt auch. Die Bäuchlein schieben sich hinaus, über die Indie-Mädchen-Kleider fallen Parkas und die Schiebermützen werden noch tiefer Richtung Nasenwurzel gezogen. Draußen ist November und es ist kalt. Wir frieren heutzutage viel schneller. Aber das ist das Einzige, was sich in den vergangenen zehn Jahren verändert hat. Dem hat man Rechnung getragen. Dankenswerterweise keine Vorband. 15 Songs. Gang of Four wären stolz gewesen.

Whoo! Alright, lets fall apart and the clock starts here and now

Bruten Butterwek

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